Stadthaus am Markt

Der Archäologische Garten besteht aus Gebäuderesten römischer und mittelalterlicher Zeit. Sie erinnern an die verschiedenen geschichtlichen Facetten der Stadt – vom Militärstützpunkt im Hinterland des Limes über die Reichsversammlungen zu Zeiten der Kaiserpfalz bis hin zu den spätmittelalterlichen Bürgerhäusern, die den westlichen Bereich des Doms bis ins 20. Jahrhundert prägten. In der Königshalle – der Aula Regia, deren Reste zu sehen sind, fanden historisch bedeutende Reichsversammlungen und Synoden statt. Der Archäologische Garten gilt damit als Grundstein für Frankfurts Entwicklungsgeschichte. Erst in den 1950er Jahren wurden die verschiedenen Stücke der Geschichte freigelegt und konserviert.

Der Archäologische Garten war vor seiner Freilegung bis zur Kriegszerstörung der Altstadt stets überbaut und fester Bestandteil der Stadtstruktur. Der Abriss des Technischen Rathauses und die Neubebauung des DomRömer-Areals bietet die Chance, die öffentlichen Räume Römerberg und Domplatz wieder zu stärken und das Bodendenkmal Archäologischer Garten als „Keimzelle“ der Stadt museal zu präsentieren. Die vorgesehenen öffentlichen Nutzungen des Stadthauses werden dem Viertel neue Anstöße geben und Möglichkeiten der Begegnung eröffnen. An das Gebäude wird sich die neue Häuserzeile am „Markt“ anschließen, die in das Ensemble integriert wird. Die Eckhäuser der Häuserzeile werden rekonstruiert. Dies sind das Rote Haus und die Goldene Waage. Die Bebauung wird in Anlehnung an die historische Stadtgestalt dem Dom seine ursprüngliche Bedeutung als zentrales Bauwerk zurückgeben und damit die unbefriedigende Nachkriegssituation nach über 65 Jahren sinnvoll lösen.


Es soll ein Ort der „Begegnung” mit Bürgern, Besuchern und Gästen der Stadt entstehen, der
• die Bedeutung des Archäologischen Gartens respektiert,
• sich in eine Raum schaffende Architektur einbindet und
• eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt ermöglicht.

Für die Überbauung des Archäologischen Gartens wurde 2009 ein Realisierungswettbewerb ausgelobt. Zunächst kamen vier Architekturbüros in die Endausscheidung und arbeiteten in den folgenden Wochen an der Konkretisierung ihrer Pläne:
1. Preis
Prof. Bernhard Winking Architekten BDA mit Martin Froh, Berlin
2. Preis
Kleihues + Kleihues, Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin
3. Preis
Braun & Schlockermann und Partner GbR, Frankfurt a.M.
4. Preis
ARGE: MEURER Architekten Stadtplaner Ingenieure mit cba architectes, Frankfurt a.M. / Luxembourg

In der Überarbeitung gewann der Entwurf der Arbeitsgemeinschaft Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure mit cba architectes klar hinzu. „Im Hinblick auf die Qualität und Belichtungssituation des Archäologischen Gartens, die Blickbeziehung, die Erschließung und die Einbindung in den differenzierten städtebaulichen Kontext – lieferte die Arbeitsgemeinschaft Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure mit cba architectes schließlich den überzeugendsten Entwurf bzw. die besten Möglichkeiten für die Fortentwicklung“, so die Begründung des gemeinsamen Antrages der CDU-Fraktion, der Fraktion Die Grünen im Römer und der FDP-Fraktion vom 25. Januar 2011, den die Stadtverordnetenversammlung am 24. Februar 2011 mit großer Mehrheit annahm.

Der Entwurf
… folgt dem Grundgedanken, ein Ensemble zu bilden, das sich gut in die Morphologie der Frankfurter Altstadt einfügt, das keinen solitären, einzeln gefassten Gebäudekomplex entstehen lässt, sondern harmonisierende Übergänge schafft. Das von der der Arbeitsgemeinschaft Meurer Architekten Stadtplaner Ingenieure mit cba architectes geplante Stadthaus übernimmt damit eine wichtige Funktion zur Vermittlung zwischen Schirn und der geplanten „neuen“ Frankfurter Altstadt.

Der Entwurf sieht die Entstehung eines vielfältigen Gebäudes vor, das die archäologischen Funde nicht nur schützt, sondern eine museale Präsentation ermöglicht, die der Bedeutung der Funde gerecht wird. Das Stadthaus soll sowohl eine öffentliche Funktion als Versammlungshaus erfüllen als auch fester Bestandteil des innerstädtischen Lebens werden – mit Wohnen, Läden und Gastronomie.

Der Versammlungssaal: Wie ein Juwel gefasst
Prägnantester Baustein des Entwurfs ist der schwebende Versammlungssaal, der Raum für rund 200 Personen bietet. Dieser wird von den umliegenden Baukörpern des Stadthauses wie ein Juwel von einem Ring gefasst. Der Saal ist weitgehend frei von Stützen, sodass auf bauliche Eingriffe in den darunter liegenden Archäologischen Garten vollkommen verzichtet werden kann. Die schwebende Konstruktion schafft zudem „Lichtkorridore“, die eine Beleuchtung der historischen Funde mit Tageslicht erlauben – ein Aspekt, dem die Architekten besondere Bedeutung beimaßen.

Im Vorbau des Stadthauses, also an dessen östlicher Seite, entsteht das Foyer des Stadthauses. Im südlichen Anbau, parallel zur Schirn verlaufend, finden Technik- und dienende Räume Platz. Im oberen Geschoss sind  Seminar- und Funktionsräume geplant, die auch für die museumspädagogische Arbeit genutzt werden.

Besonders reizvoll ist zudem der geplante Vorplatz zum Dom. Dieser wird  gemeinsam mit Dom und „Goldener Waage“ den „Auftakt“ des Stadthauses bilden. Aufgegriffen und neu interpretiert wird dabei die historische Höllgasse, die durch das Foyer des Stadthauses fortgeführt und damit zum zentralen Zugang des Stadthauses wird.

Freier Blick auf den Archäologischen Garten
Fünf Aussichtspunkte – erhöhte Verglasungen – werden künftigen Besuchern aus allen Himmelsrichtungen einen ungehinderten Blick auf die archäologischen Funde ermöglichen, ohne dass diese das Stadthaus betreten müssten. Wer die Funde genauer betrachten möchte, hat auch künftig ungehindert Zugang zum Archäologischen Garten – dies wird durch eine sinnvolle Trennung zwischen Erdgeschoss und Foyer bzw. Versammlungssaal gewährleistet.



„Tuchgaden“ und Rotes Haus
Das künftige Stadthaus wird von Höllgasse, Am Markt und Bendergasse gefasst. Geplant ist außerdem, einen Teil des historischen „Tuchgadens“ wieder aufzunehmen. Dieser war vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg über den Durchgang unter dem „Roten Haus“ erreichbar. Das nach Westen gelegene Wohngebäude könnte – wenn einem Abbau des „Tisches“ zugestimmt wird – verlängert werden,  um sich, wie früher, südlich an das „Rote Haus“ anzuschließen.

„Belvederche“ wird wieder Aussichtspunkt
Der Aussichtsturm der „Goldenen Waage“ – das sogenannte „Belvederche“, das vielen Frankfurtern noch gut im Gedächtnis ist – soll wieder entstehen. Es wird der höchste Punkt der neuen Bebauung sein und in das Stadthaus hineinragen. Damit wird es nicht nur zum Aussichtspunkt, sondern auch zu einem zentralen „Hingucker“. Der Verlauf zwischen „Belvederche“ und schwebendem Versammlungssaal soll sich nach Osten hin öffnen, sodass den Turmbesuchern künftig ein freier Blick über das neu gestaltete Areal gewährt wird.

Apropos Ausblick: Noch offen ist die Dachgestaltung des Versammlungssaales. Während für die angrenzenden Gebäudeteile Satteldächer mit unterschiedlichen Traufständen und –höhen vorgesehen waren, erdachte das Architektenteam für den Versammlungssaal zunächst ein Flachdach. Da ein ansprechendes Satteldach die feierliche Bedeutung des Versammlungssaales unterstreichen würde, wäre jedoch auch dies denkbar. Mit dem Beschluss des „Sonderausschusses DomRömer“ kann auch diese Frage in der weiteren Planung beantwortet werden.

Lesen Sie außerdem das Interview mit Prof. Thomas Meurer.

> Präsentation "Meurer Architekten" zum Stadthaus aus dem Sonderausschuss vom 03.11.2011

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